Holydays – Holy Days

14 Tage im Oktober in Kalabrien

Freitag

Es ist um fünf in der Früh und noch dunkel. Die Strassen sind von pflaumengelbem Licht erhellt. Robidog-Plastiksäcklein flattern im Wind. Eine Bierdose kullert über die Strasse.
In der Nähe des Bahnhofs brennt es. Flammen lodern aus einem Hauseingang. Die Polizei fordert die Bewohner zum Verlassen des Gebäudes auf.
In der S-Bahn zum Flughafen hat sich ein Mann in die Toilette verdrückt. Kontrolleure warten auf ihn. Als er herauskommt, sucht er pro forma in seinen Taschen nach dem Billiet. Da es sich nicht finden lässt, ist er noch vor Oerlikon 80 Franken los.
Als wir beim Gate ankommen, stellt Irene fest, dass ihre Reisetasche eine gehörige Portion Notfalltropfen abbekommen hat, da das Fläschchen ausgelaufen ist. Dann erheben sich 41 Tonnen in die Luft nach Lamezia Terme in Kalabrien.

Am Nachmittag schon liegen wir an der Spiaggia onda blu von Grotticelle. Familiäre Buchten, türkisblaues Wasser, wenig  Leute. Unweit von uns räkeln sich tonnenschwere Walrosse aus Deutschland und Skandinavien. Ausgerechnet das dickste von ihnen will auf einem Wasserscooter fahren. Die Strandwache erklärt ihm in einer Sprache, die Ähnlichkeiten mit Englisch hat, dass dies nicht gehe, da es dafür einen Ausweis brauche. Ein gebräunter Typ in gelber Badehose mit gut ersichtlichem Gemächt quatscht ein verhärmt schauendes, spätes Mädchen an. Er will die welkende Magd dazu animieren, mit ihm ins Wasser zu gehen oder eine Passegiata zu machen. Doch die nachsaisonale Anbaggerei führt zu keinerlei Zweisamkeit.

Im Hotel <Marinella> strömen die Gäste auf ein Glockenzeichen hin in den Speisesaal. Dieser ist von der Gemütlichkeit eines Bahnhofwartsaales. Noch bevor der Kellner das Antipasto-Büffet fertig hergerichtet hat, setzt der Run auf die Häppchen ein. Pasta und das Secondo werden den Gästen aus grossen Schüsseln geschöpft und von ausladenden Platten gereicht.
Irene macht sich Sorgen wegen der Pensionskasse ihres neuen Arbeitgebers.

Von unserem Zimmer sehen wir aufs Meer. Das macht uns glücklich.

Samstag

Es soll zwei Arten von Haartrocknern geben: Solche, die das Haar strecken und solche, die dem Haar Volumen geben. Seit ein paar Tagen will Irene herausgefunden haben, dass sie für ihre Frisur nicht mehr unbedingt Volumen anstrebe. Sie empfindet dies als eine grosse Erleichterung.

In Zungri, im Hinterland von Capo Vaticano, trinkt Irene  d e n  Espresso ihres Lebens. Wir besuchen daselbst Höhlenbehausungen. Seit dem 12. Jahrhundert sind ethnische Gruppen aus dem Orient meist aus religiösen Gründen nach Kalabrien eingewandert. Auch wegen arabischer Angriffe entlang der Küste, sind Dörfer ins Landesinnere verlegt worden. In Zungri hat sich eine ganze Höhlenstadt aus byzantinischer Zeit erhalten. Die Räume von über 80 Häusern, Ölmühlen und Weinpressen sind in den weichen Sandstein gegraben.

Capo Vaticano hat mit dem Vatikan nur insofern etwas zu tun, als das Kap mit dem Heiligen Stuhl die gleiche Wortbedeutung teilt. Vatikan kommt von <vates> (Seher). Capo Vaticano muss also zu Zeiten wie der Mons Vaticano bei Rom eine Orakelstätte gewesen sein. Von dessen Belvedere lässt sich bei einem Campari mit Blick auf Sizilien und die liparischen Inseln beobachten, wie die Sonne mit aufreizender Langsamkeit auf ihr Wasserbett niedersinkt. Ein Lehrer-Ehepaar aus der Schweiz würfelt sich bei seinem Reise-Backgammon-Spiel die Arme taub. Nach jedem Schluck Campari giesst sich der Herr Lehrer Mineralwasser nach. Ein streunendes Hündchen schifft der Frau Lehrerin an den Rucksack, was diese über die Massen erbost.

Sonntag

Auf die Piazza von Tropea, genannt die Perle des thyrrhenischen Meeres, schaut der Philosoph Pasquale Galluppi, der hier 1770 geboren worden war, von erhöhter Denkmalswarte. Er war der erste Italiener, der die Wichtigkeit Kants begriffen hatte und sie den Italienern begreiflich machte.
Ein schwangeres Schulkind will mir eine Plastikschildkröte verkaufen. Irene findet, die Gofen hierzulande seien alle nicht ganz gebraten. Sie würden so dumpf schauen.
Irene hat ein bewundernswertes Repertoire an Soft-Vulgär-Ausdrücken: Zum Beispiel kann sie mir sagen, gestern habe der Chef ihr überraschenderweise die Kelle (Hand) geschüttelt. Oder sie müsse sich noch schnell etwas antschopen (anziehen). Auch rözen für schnell fahren gefällt mir.
Wir rözen bergauf, bergab nach Nicótera, nur um in der dortigen Marina infolge saisonbedingter Trostlosigkeit gleich wieder umzukehren. Irene drückt auf irgendwelche Knöpfe unseres Miet-Lancias, worauf uns das Armaturen-Display empfiehlt, anzuhalten und im Handbuch nachzuschauen. Auf dem Nachhauseweg drängt es Irene noch,  Abkürzungen zu nehmen, die uns auf Schlaglöcher übersäte Feldwege und schliesslich in Teufels Küche führen. Dabei ist es dunkel geworden.
Nach geraumer Zeit finden wir doch wieder in ziviliserte Gegenden zurück.
In einer Riesen-Pizzeria essen wir je eine Pizza von den Ausmassen eines Wagenrades. Am Nebentisch links sitzt ein notorischer Nasenfurzer und an demjenigen rechts zwei Damen. Die eine raucht Zigaretten in einem Zigarettenhalter. Die andere trägt ihre blonden Haare hinten raufgeschnitten und vorne lang. Hikuvola im Gegensatz zu der Vokuhila-Frisur der Männer aus Vorstädten mit Brusthaar und Goldkettchen. Was mich interessieren würde, ist, ob diese Frisurenträger wissen, dass man ihre Fritten "Vokuhila" respektive "Hikuvola" nennt?
Nasenfurzer sind Personen, die sich mit besinnungsloser Rücksichtslosigkeit ihre nasalen Respirationsgänge derart trompetenlaut  säubern, dass es einem, wenn schon nicht das Gehör, so doch ordentlich den Appetit verschlägt.

Montag

Wir umfahren die Skylla von Scilla, nach Homer Wohnort eines sechsköpfigen Ungeheuers, und treffen wohlbehalten in Reggio Calabria, der Hauptstadt des Verbrechens, ein.
Irene kommt von der Ausspähung eines Hotelzimmers mit dem Bescheid zurück, im "Lungomare" seien die Zimmer so klein, dass man sich darin kaum drehen könne. Das "Palace Masoanri's" hat jedoch nur noch Zimmer für eine Nacht frei. Das "Gran Albergo Miramare", im Reiseführer als frisch renoviert gepriesen, ist alles andere als das und dazu geschlossen. Im "Excelsior" kostet eine Nacht 250 Euro. Also doch ins "Lungomare".
Von eindrücklichem Glamour ist die von Pier Luigi Nervi entworfene Meerespromenade, welche den grosszügig angelegten alten Lungomare begleitet. Gabriele d'Annunzio hat diesen als den schönsten Kilometer Italiens bezeichnet. Wir laufen mehrmals hin und her, weil es so schön ist.

Da Irene allezeit Hunger hat, suchen wir meist schon um sechs eine Lokalität für den abendlichen Verzehr. In Kalabrien wird jedoch erst ab acht Uhr aufgetischt. Weil Irene nicht so lange warten mag, gehen wir in das Café essen, in welchem wir schon am Mittag waren. Das Café heisst <Cordon bleu>.
Irene vermutet in jedem schwarzen Auto der höheren Preisklasse Ehrenmänner der 'Ndrangheta. Auch Italiener, die sehr italienisch aussehen, verdächtigt sie der Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation. Irene hat durchaus eine kommissarische Ader und hätte in jüngeren Jahren gerne eine Polizeiakademie besucht. Sie wäre jedoch infolge ihrer zu geringen Körpergrösse kaum aufgenommen worden.

Dienstag

Vor Fremdenführern sollte man sich in Acht nehmen: Sie nehmen einem jegliche Entdeckerfreude, lotsen dich auf nichts als ausgelatschte Pfade und lassen einen gegen geschlossene Restaurants anrennen.

Der Lido Communale, ein schöner Strand mitten in der Stadt, ist menschenleer. Nur ab und zu kommen Schüler, um auf einem Bänklein den Kopf in den Schoss der Freundin zu legen und mit ihr einen Joint zu paffen. Ich mache ein Foto von der unendlichen Flucht von Badekabinen. Davor liegt eine Frau völlig bekleidet in einem Liegestuhl. Ein Handwerker – oder vielleicht der Bademeister – der ein Geländer repariert, blafft mich an, was mir einfalle, die Dame zu belästigen. Infolge des Gezeters schreckt die Dame auf. Später ertappe ich ihn, wie er aus erhöhter Lage ungeniert in das Decolleté der Dame stiert.

Im archäologischen Museum besichtigen wir die beiden Bronzekrieger von Riace auf ihren erdbebensicheren Podesten. Die beiden “Bodys” –   anatomisch genau –  von bewundernswerter Athletik, aber ansonsten bar jeglicher weitergehenden Mitteilung. Das ist doch bereits eine Dekadenzerscheinung in der Kunst. Naturalistisch-raffinierte Wiedergabe ersetzt spirituelle Botschaft.
Die beiden Heroen lagen mehr als 2'000 Jahre auf dem Grund des ionischen Meeres. 1972 sind sie aufgefunden worden. Die kalabrische Archäologie-Behörde habe sich mächtig auf die Hinterbeine stellen müssen, um sie den Florentinern, von denen die beiden Bronzen restauriert worden sind, wieder zu entreissen und nach Kalabrien zu bringen.

1783 und 1908 bebte in Reggio die Erde und zerstörte die meisten Bauten  aus vergangenen Zeiten. Der grosszügige Wiederaufbau im Liberty-Stil, der italienischen Ausprägung des Jugendstils, gibt der Stadt ein lichtes, elegantes Gepräge. Liberty war der Name einer englischen Firma, die erstmals Stoffe mit Jugenstilmuster nach Italien geliefert hat. Nach dem Erdbeben von 1908 erreichte Reggio und Messina als Liebesgabe eine grössere Lieferung luftgetrockneten Kabeljaus aus Skandinavien. "Stoccafisso" spielt seitdem in der Küche der beiden Städte eine grosse Rolle.

Weiss immer noch nicht, wie das WM-Qualifikationsspiel der Schweiz gegen Lettland ausgegangen ist.

Es ist noch nicht mal neun und wir sind schon in der Heia. Irene liest ein Buch über Emma Kunz, die Heilerin von Würenlos, und ich penne langsam aber sicher ein.

Mittwoch

Wir fahren der kalabrischen Südküste entlang. In Condofuri steigen wir aus Sympathie zu dem dortigen Strand aus, an welchem laut Reiseführer nur im August etwas los sein soll. Von vergangenen Lustbarkeiten Zurückgebliebenes dämmert eingehagt dem nächsten Hochsommer entgegen.
Von Locri ein paar Kilometer landeinwärts thront auf einem Fels-Gupf das mittelalterliche Städtchen Gerace. Da soll es einmal 128 Kirchen gegeben haben. Kaum vorstellbar, wo die überall gestanden sind. Wir steigen in einem Viersterner ab.
Zum Abendessen sind wir die einzigen Gäste im Speisesaal. Es riecht etwas merkwürdig. Der Kellner ist äusserst liebenswürdig, das Mahl jedoch nicht weiter erwähnenswert.
Bin froh, dass Irene bei mir ist. Einmal war ich auf einer Velotour an die französische Riviera in einem Speisesaal ganz alleine. Während des ganzen Essens stand die Kellnerbrigade in corpore hinter mir aufgereiht, und bei jedem Schluck und jedem Bissen kam einer angestürzt, um nachzufüllen oder nachzureichen.

Donnerstag

Von der Piazza in Ciminà, einem Kaff unweit von Gerace, keuchen wir die Via Roma bergan, um auf die Tre Pizzi, 710 Meter über dem Meer, zu steigen. Der Ort hat seinen Namen von dem dort wildwachsenden Kreuzkümmel. Der Aufstieg ist schweisstreibend, die Aussicht atemberaubend und der Abstieg auf steinigem Weg alles andere als ungefährlich. Irene fällt ungefähr vier Mal auf den Hintern, bevor sie sich entschliessen kann, doch noch einen meiner zwei Stöcke zum Behufe besseren Haltes anzunehmen.

Am pfeifengeraden Strand von Locri erholen wir uns von den Strapazen. Ein Herr in gelbem Poloshirt mit hohlem Kreuz ist in seinen quadratschädeligen Rottweiler vernarrt und wirft ihm unermüdlich Steckchen in die Brandung. Der angebliche Kampfhund muss dem Fortgeworfenen hintendrein, obwohl er es hasst, in das Meerwasser zu platschen.
Auf der Heimfahrt pflügen wir uns in Locri durch Hundertschaften von Carabinieri. Ich muss Irene zurückhalten, die gleich aussteigen und mit Ermittlungen beginnen will. Schon des Morgens waren im Hotel Bodybuilder-Typen, denen Funkkabel den Hals runterliefen, am Frühstücksbuffet, und ein Jungkommissar war mit seiner Walküre von Sekretärin Personenlisten durchgegangen. Tagsüber rasselten Helikopter über die Gegend.

An einem Palazzo an der Piazza in Gerace ist eine Tafel zum Gedenken an den Schriftsteller Edmondo de Amicis angebracht, der sich hier in militärischer Funktion aufgehalten und daselbst das Werk "L'esercito italiano durante il colera del 1866-67" geschrieben haben soll. De Amicis hatte 1866 als Leutnant an der Schlacht von Custoza  teilgenommen. Er vermochte aber den Sieg der Savoyarden auch nicht abzuwenden.
1886 erschien sein Jugendbuch "Cuore", das gleich zu einem Mega-Seller im Stile von "Harry Potter" wurde. Innert kürzester Zeit ist das Buch in viele Sprachen übersetzt worden. Daraus wurde die Geschichte "Dagli Appennini alle Ande" Ende der 70er Jahre als 52-teilige japanische Animations-Serie des Titels "Haha wo Tazunete Sanzen Ri" verfilmt. In Deutschland lief der Streifen unter der Firmierung "Marco". 1981 ist der ganze Roman von den Japanern in gezeichnete laufende Bilder übersetzt worden.

Weil Irene schon um sechs hungrig ist, essen wir auf der Terrasse der Bar Centrale Antipasti. Stelle fest, dass Italiener innerhalb zweier Stunden ungefähr gleich viele SMS bekommen, wie ich in zwei Jahren. Wir trinken Grappa Amarone barrique, der aromatisch bekömmlich, geschmeidig die Kehle runterrinnt.

Freitag


San Luca, ein Städtchen von angeblich abstossender Hässlichkeit, ist als Hochburg der 'Ndrangheta verschrieen. Wir bezähmen unsere durchaus vorhandene sensationslüsterne Neugierde dortselbst die regionale Ausprägung der Mafia besichtigen zu wollen und fahren stattdessen nach Natile Vecchio.
Das gestrige Polizei-Aufgebot hat übrigens nicht der Mafia gegolten, sondern der Gedenkfeier eines Opfers derselben. Vor drei Jahren ist in Locri der Vizepräsident der kalabrischen Regionalversammlung, Francesco Fortugno, ermordet worden, der sich durch die Untersuchung der Vergabe von Spitalkontrakten der 'Ndrangheta entgegengestellt hatte. Nach dem Attentat gingen Studenten spontan auf die Strasse. Auf einem Protestbanner hiess es “E adesso ammazzateci tutti” (Und nun legt alle um). Daraus entstand eine Bewegung zur Bekämpfung der Mafia. An Fortugnos Beerdigung sollen 8'000 Personen teilgenommen haben. Was gestern über Locri rasselte, war Senatspräsident Schifani, der an die Gedenkfeier geflogen kam.
Ein Mafioso ist aber gestern tatsächlich auch gefangen genommen worden, allerdings nicht in Locri, sondern in Ardore Marina, einen Katzensprung von San Luca, seiner Stammlande, entfernt. Da hatte sich 'Ndrangheta-Boss Antonio Pelle, genannt "la mamma", unterirdisch äusserst komfortabel eingebunkert. In einem Gärtchen hatte er Hanf-Pflanzen gezogen.
Die Pelle-Vottari stehen mit dem Clan der Nirta-Strangio in Fehde. In den Zusammenhang dieses Familienzwistes gehören höchst wahrscheinlich auch die Pizzeria-Morde von Duisburg vor einem Jahr.

Von dem alten Natile machen wir uns zu dem Sandstein-Monolithen Pietra Cappa auf. Wir queren ein Tälchen, in welchem ein Bauer armselig haust. Angekettete Hunde bellen sich die Kehle aus dem Leib. Weiss der Herr, was es hier zu bewachen gibt. Das wusste ich damals vor vielen Jahren in Umbrien auch nicht, als ich mit meiner damaligen Partnerin Christine anlässlich von Filmarbeiten im ersten Stock eines Hauses logierte, das von einem zähnefletschenden Kettenköter bewacht wurde. Diesem wurde einmal im Tag ein Teller Pasta hingestellt, trotzdem war er in der Verfassung stundenlang so zu bellen, als seien die Mongolen im Anzug. Als ich nahe an einem Nervenzusammenbruch war, schickte ich Christine los (ich selber hätte mich das nie getraut), das Tier von der Kette zu lösen, weil ich mir vorstellte, es würde dann dankbar das Weite suchen. Ohne weiteres näherte sich Christine dem wütenden Vieh und erlöste es aus seiner Misere. Aber was tat dieses? Es tappte ein paar Schritte hin und her. Von Flucht keine Rede. Ich traute meinen Augen kaum. Immerhin kläffte es dann nicht mehr.

Durch Macchia stapfen wir auf abenteuerlichen Pfaden bergan. Die Sonne hat sich zwischenzeitlich verzogen, was die ganze Sache in fremden Landen ein wenig ungemütlich macht. Oben auf einer Weide angekommen, schauen wir einem Pillendreher zu, wie er sein Tagewerk als geplagter Ehemann verrichtet. Die Pillendrehers sind nämlich Koprophagen, das heisst, sie fressen Scheisse. So nimmt es der Herr Mistkäfer nach der Paarung auf sich, eine Kugel aus Dung zu formen, die seine Körpermasse oft um ein Vielfaches übertrifft. Diese Kugel klemmt er dann zwischen seine Hinterbeine und rollt sie rückwärtslaufend vor sich her. Der Mistbollen wird im Boden vergraben, worauf die Frau des Pillendrehers ihre Eier daran legt. An diesem tun sich dann die kleinen Pillendrehers gütlich.

Der überzogene Himmel lässt uns ein wenig verzagen und so verzichten wir auf eine Umrundung des mythischen Felsens.
Als wir zum Parkplatz zurückkehren, erlebe ich eine Schrecksekunde: Das Auto ist weg! Es war jedoch Fehlalarm, ich hatte an den falschen Ort geguckt.
Wir fahren den rauhen Berg, den Aspromonte, hinan. Platí, ein trostloses Gespensterdorf. Versiffte, zum Teil verfallene Häuser. Kaum ein Geschäft ist auszumachen. Nur gerade ein paar Schüler und Töfflifahrer schleichen durch die Strassen. Doch der Schein trügt. Unter dem Ort liege ein Schattenreich voller Gänge und Kammern, unsichtbarer Türen und drehbarer Treppen, in welchem sich Verbrecher versteckten. Auch Platí ist   wie San Luca oder Africo eine Hochburg der 'Ndrangheta. Diese verberge sich hinter einer Maske der Armut. Hinter manch schäbiger Fassade habe es Einrichtungen voller Marmor und teurer Möbel. In den Garagen stünden nigelnagelneue Autos deutscher Fabrikation.
Der Polizeiposten gegenüber dem Pfarrhaus werde "die italienische Botschaft in Platí" genannt. Das will heissen, der Staat ist hier ein Fremder. Als einmal ein Mafiosi hätte verhaftet werden sollen, sei die Staatspolizei von Hundertschaften von Dörflern angegriffen worden und habe sich darauf in den vergitterten Polizeiposten flüchten müssen.

Die Strasse zum Passo Càncelo ist zwar befahrbar, aber voller niedergegangener Gesteinsbrocken und nur notdürftig unterhalten. Es ist abenteuerlich, aber auch ein wenig unheimlich. Aufgegebene Bauten, ein Tunnel voller Steine. Kein Mensch ist da unterwegs.
Wir sind froh, als wir uns wieder Gerace, wo wir zu Hause sind, nähern.

Auf der Piazza Del Tocco genehmigen wir uns einen Campari con Gin. Tocco (Berührung) erinnert an die Versöhnung der normannischen Brüder Roger und Robert Guiscard, die sich im Jahre 1062 nach einem heftigen Streit auf diesem Platz wieder in die Arme fielen.
Guiscard ist die altfranzösische Aussprache von Wiss-hart (Schlaumeier). Die Schlaumeiers beherrschten zu Zeiten ganz Apulien und Kalabrien. Robert Schlaumeier ehelichte in zweiter Ehe Gisulfs von Salerno Schwester Sichelgaita. Zuvor hatte deren Schwester Gaitelgrima Roberts Halbbruder Drogo geschnappt. <Sichelgaita> und <Gaitelgrima> sind  Anwärter auf den Titel <Grässlichster Mädchenname aller Zeiten und Kontinente>. Drogo allerdings sollte man als Knabenname wieder in Erwägung ziehen.
Kommt mir in den Sinn: Valéry Giscard d'Estaing wäre demnach Valéry, der Schlaumeier aus Estaing.

Um punkt acht Uhr gehen wir ins "Lo Sparviero" essen: Antipasto, Primo, Secondo mit allem drum und dran, was zu  einem italienischen Mahl gehört. In einer anderen Ecke des rustikalen Gewölbes sitzt ein französisches Paar mit ihrem Söhnchen Arthür. Arthür tut kein rechtes Stückchen. Irene rastet aus und zwar nicht wegen Arthür, sondern wegen dessen Vater, der sich keinen Deut um den zwängelnden Arthür kümmere, und alles der überforderten Mutter überlasse.
Fünf Minuten später ist es dann aber doch dieser sich nicht kümmernde Vater, der mit dem kreischenden Arthür nach draussen geht.

Samstag

Irene bezeichnet mich als Aufstehmonster.
Wir fahren der Ostküste entlang gen Norden. In Crotone steigen wir im Hotel "Lido degli scogli" ab. Wir sind da ungefähr die einzigen Gäste und haben natürlich ein Zimmer mit Blick auf das Meer. Wenn man das Fenster offen lässt, hört man es rauschen.
Wir laufen dem Strand entlang in die Stadt, um einen Campari zu trinken.
Der Bischof, der im 16. Jahrhundert die Kathedrale und das Episkopat wiederaufbaute, hiess Antonio Lucifero.
Im Café "Italia" kommt Irene tränend aus der Toilette zurück. Anscheinend ist sie ob einer total verschissenen Scheisshausschüssel aus der Fassung geraten. Sie habe kaum gewusst, wie sie sich hinsetzen solle, setzt sie mir schniefend auseinander.

Für den Rückweg laufen wir zum Bahnhof, um dort ein Taxi zu nehmen. Es fängt an zu regnen. Plötzlich hat es nur noch Schwarze auf der Strasse. Man hat das Gefühl in Harlem zu sein. Ehrlich gesagt, nicht allzu gemütlich. Wir geben den Plan mit dem Bahnhof auf. Natürlich finden wir nirgends ein Taxi. Irene ruft aus wie ein Rohrspatz. Endlich sichten wir dann doch noch ein Taxi. Es hört auch auf zu regnen. Fahrer Giuseppe, rotwangig wie ein Landarbeiter, ist extrem gut aufgelegt. Er will wissen, ob wir verheiratet seien und wie viele Kinder wir hätten. Ohne zu überlegen sage ich, wir hätten keine. “Madonna”, entfährt es ihm. Sowas ist ihm unverständlich, denn er hat fünf. Ich war der Auffassung, eine solch obsessive Identifikation mit Kindersegen gebe es nur noch in der dritten Welt. Ich unterlasse es, Giuseppe auf die demographische Lage der Welt hinzuweisen.
Beim Aussteigen will Giuseppe Irene küssen. Wahrscheinlich drängt es  ihn, ihr zu zeigen, was ein viriler Mann so alles drauf hat. Da Irene jedoch gar nicht darauf erpicht ist, zieht sich Giuseppe aus der Affäre, indem er vorgibt, es sei nur ein Scherz gewesen.
Wir picknicken auf dem Zimmer.

Sonntag

Horrornacht im Zimmer mit Meerblick. Eine Festgesellschaft dröhnt bis in die Puppen. Vor dem Fenster entweicht Abluft aus der Küche. Die Sängerin des Festes singt so falsch, dass Irene in das Kissen beisst vor Pein. Selbst am Rande eines Nervenzusammenbruchs schicke ich meine Reisegefährtin an die Récéption (ich selber hätte mich das nie getraut). Aber auch Irene vermag natürlich nichts gegen eine Mafia-Fete auszurichten.
Während Irene ungeschützt die Nacht verbringen muss, stopfe ich mir Oropax, mein ständiger Begleiter, in die Ohren. Oropax sollte den Friedensnobelpreis verliehen bekommen.
Des Morgens machen wir einen Ausflug nach Santa Severina mit sehenswertem historischen Dorfkern. Hier wurde um 679 der nachmalige Papst Zacharias geboren. Dessen Pontifikat war theologisch durch das 745 abgehaltene Konzil bedeutsam, das festlegte, dass lediglich die biblisch bezeugten Erzengel Raffael, Michael und Gabriel als Engel verehrt werden dürfen, nicht aber der apokryphe Uriel.
Den Nachmittag verbringen wir als einzige Badegäste am Strand, wo es insofern ein wenig langweilig ist, als da nie ein Schiff vorbeifährt. Auch auf den zwei, drei Gas-Plattformen auf dem Meer draussen scheint nicht viel los zu sein.
Irene liest Alexandra Fullers "Unter afrikanischer Sonne". Titel und Einband des Taschenbuches qualifizieren das Werk als Kioskliteratur. Das ist es aber nicht. Die Autorin beschreibt mit leichter Hand und viel Witz ihre Jugend in Simbabwe. Mein Buch trägt den Titel "Wolkenatlas". Ebenfalls ein unverständlich dröger Titel für das brilliante Werk des brillianten Erzählers David Mitchell, der mit sechs Lebensläufen ein weitgespanntes Menschheitspanorama entwirft. Mitchell ist noch nicht vierzig. Solange es solche Schriftsteller wie ihn gibt, kann die Welt noch nicht ganz des Teufels sein.
Bereits um sieben Uhr werden wir in der "Pizzeria/Ristorante Lido San Leonardo" zum Abendessen vorstellig. Wir müssen uns jedoch noch bis halb acht gedulden und genehmigen uns deswegen einen Campari con Gin an der Bar. Der Chef-Kellner sprayt sich ein wenig Waldluft unter die Arme (über das Hemd!) und dann geht es los: Ganze Clans trudeln sonntäglich gewandet zu Familienfeiern ein. Aus den Fernsehern brandet Torjubel, aus den Lautsprecherboxen stampft steinlauter Sound, und es treffen immer noch mehr Familien im anzahlmässigen Umfang eines Stammes ein. Irene, die mit ihrer Sozial-Empathie die Antennen immer an allen Tischen hat, weiss nicht mehr, wo ihr der Kopf steht und schaufelt sich die Pasta in die Ohren anstatt in den Mund. Eine herzerfrischende Angelegenheit fern jeglicher Atomisierung des sich selbstverwirklichenden westeuropäischen Individuums – wenn man nur bessere Nerven hätte. Beschliesse zu Hause eine Buer-Lecithin-flüssig-Kur zu machen.
Kellner gehen in der Haltung von Cowboys, die einen Saloon betreten, ein und aus. Der unsrige ist in Münster aufgewachsen und will wieder dorthin, um Betriebswirtschaftslehre zu studieren.
Irene ist voll damit beschäftigt, verwandtschaftliche Bande zu bestimmen: “Ist das jetzt ihr Vater oder ihr...” Schon gestern nachmittag war sie sich angesichts einer Hochzeit in Crotona nicht sicher, ob der Mann an der Seite der Braut deren Vater oder der Bräutigam sei.”
Irene zeigt sich auch beeindruckt, ob all dem Strass den die Italienerinnen auf den Hintern ihrer Hosen aufgenäht tragen.
Als ich wieder einmal von meinem Bistecca aufschaue, bemerke ich, dass Irene Augen wie Mühlräder hat und einen ziemlich gestressten Eindruck macht. In einem solchen Laden zu essen, ist für sie wohl das gleiche, wie wenn ich in einer Buchhandlung tafeln würde.
Weniger gestärkt als erschöpft von dem bunten Abend legen wir uns im Lido-Hotel unter das Fenster mit dem Meeresrauschen.

Montag

Müssiger Tag am einsamen Strand.

Kant hatte zu Zeiten seine Studenten über schwarze Menschen wie folgt instruiert (1802 in Königsberg als "Physische Geographie" veröffentlicht): “In Afrika nennt man Mohren solche Braune, die von Mauren abstammen. Die eigentlich Schwarzen aber sind Neger. (...) 1. Die Neger werden weiss gebohren, ausser ihren Zeugungsgliedern und einem Ringe um den Nabel, die schwarz sind. Von diesen Theilen aus zeichnet sich die Schwärze im ersten Monat über den ganzen Körper. 2. Wenn ein Neger sich verbrennt, so wird die Stelle weiss. Auch lange anhaltende Krankheiten machen die Neger ziemlich weiss; aber ein solcher durch Krankheit weissgewordener Körper wird nach dem Tode noch viel schwärzer, als er es ehedess war. (...) 8. Die Mohren, ingleichen alle Einwohner der heissen Zone, haben eine dicke Haut, wie man sie denn auch nicht mit Ruthen, sondern gespaltenen Röhren peitschet, wenn man sie züchtigt, damit das Blut seinen Ausgang finde, und nicht unter der dicken Haut eitere.”

Dieser Kant war ja goppel nicht geschüttelt.

Fahrt nach Capo Colonna, einige Kilometer südlich. Einsam steht da 1 einsame dorische Säule von einem der bedeutendsten Heiligtümer der Magna Graecia: dem Tempel der Hera, Schutzgöttin der Seefahrt und allem Weiblichen. Bereits in der Antike soll der Tempel mehrfach geplündert worden sein. Im 16. Jahrhundert mussten die Säulen und Quader für den Ausbau des Hafens und den Neubau des katholischen Tempels von Antonio Lucifero herhalten.

Campari con Gin in der Bar "Moka" in Crotone. Es mag als spiessig gelten, seinen Schlüsselbund am Hosengurt zu tragen. Der Vorteil aber ist, dass dies keine Löcher in den Hosensäcken zur Folge hat. Das Zurschaustellen des Schlüsselbundes ist eine Machtdemonstration: Je mehr Schlüssel einer hat, um so mehr Zugänge stehen ihm offen.

Dienstag

Wir fahren via Catanzaro nach Tropea und steigen in der Villa Giada ab. Das Haus ist von einem schönen Garten umgeben, der sich direkt auf den Sandstrand öffnet. Hinter dem Haus senkrechte Felsen, worauf die Altstadt Tropeas thront.
Wir liegen den ganzen Tag am Strand. Wasser von karibischer Bläue und noch immer warm genug zum Baden. Am Grunde kann man graue Fischlein schwänzeln sehen. Die Sonne scheint mild. Mittags Spaghetti in einem Strandcafé. So sollte das Leben immer sein.
“Wir müssen nur die Anschauungen abziehen, die Gouvernanten, Schulen, Staaten uns aufgeklebt haben, und wir finden in unserem Innern unauslöschliche Wahrheiten.” sagt einer von David Mitchells Protagonisten. Und an anderer Stelle: “Es gibt soviele Wahrheiten wie Menschen. Gelegentlich erhascht mein Blick eine wahrhaftigere Wahrheit, die sich in unvollkommenen Abbildern ihrer selbst verbirgt, doch sobald ich mich ihr nähere, rafft sie sich auf und zieht sich noch tiefer in den dornenreichen Sumpf der Uneindeutigkeiten zurück.”
Das unvollkommene Abbild ist unser psycho-physischer Organismus, ein Abbild der unauslöschlichen Wahrheit in uns, der Seele. Wenn man sich ihr nähert, zieht sie sich zurück. Die Seele kann nicht erkannt werden. In ihr erfolgt die Aufhebung der Subjekt-Objekt-Spaltung. Die Seele kann man nur sein. An sie zu glauben, nämlich als eine Gegebenheit, die in der Lage ist, uns als Person das Überleben des physischen Todes zu sichern, ist unsinnig. Wer seine Seele nicht realisiert, für den ist es, als hätte er keine.
Die Seele ist Bewusstsein, unser höheres Bewusstsein, das nicht aus Worten gebildet ist, sondern reine Wahrnehmung ist. Sie beobachtet all unser Tun und Lassen, unsere Gedanken, Gefühle und Empfindungen, die kommen und gehen – ohne zu werten. Sie ist der Beobachter, der Zeuge, der selber nicht mehr beobachtet werden kann. Sie stellt unsere Identität dar, den, der ich bin.

Mittwoch

Am Strand. Eine Bellezza legt sich – bewacht von einer Dogge – ihren Körper auf die Sonne ausgerichtet in den Sand.
Lese in “Le Monde” einen Artikel über Soeur Emmanuelle. Sie ist das französische Pendant zu Mutter Theresa. Ein Schock erschütterte ihre glückliche Kindheit im Schosse einer begüterten Familie als 1914 – da war sie sechs Jahre alt –  ihr Vater vor ihren Augen in Ostende ertrank. Er tummelte sich in den Wellen, lächelte, winkte seinem Töchterchen am Strand zu und plötzlich war er im Meeresschaum verschwunden. Dies habe ihren Lebensweg bestimmt Die Erfahrung nämlich, dass man sich nicht an Schaum halten könne. In ihrem Unbewussten habe sich dies festgesetzt und sie zu ihrer Berufung geführt. Sie habe das Absolute gesucht, nicht das Ephemere.

In einem Fischerboot filmt ein Kameramann, wie ein Fischer den lieben langen Nachmittag keinen Fisch fängt. In gebührendem Abstand von uns liest eine Dame strickend in einem Buch. Um das Buch vor Augen zu haben, verfügt sie über eine entsprechende Vorrichtung. Ihr Mann hält sein Buch mit beiden Händen, was es mir ermöglicht, den Titel zu lesen: "The curious incident of the dog in the night-time" von Mark Haddon. Darin klärt ein autistischer Junge mit dem Asperger Syndrom die Abmurksung eines Pudels mit einer Gartenhacke auf.

Donnerstag

Ausflug nach Pizzo, wo ursprünglich das Tartufo-Eis herkommt. Pizzo wird aber auch die Schutzgeld-Erpressung der Mafia genannt –  von dem sizilianischen Dialektausdruck "pizzu" (Vogelschnabel).
Pizzo gehört neben Drogen nach wie vor zum Kerngeschäft der 'Ndrangheta. 70% der Kaufleute würden in der Region Schutzgeld bezahlen. Die restlichen 30% der Geschäfte gehörten ohnehin der Mafia. In ganz Italien sollen 160'000 Geschäfte und Unternehmen mafiöser Erpressung nachgeben.

Die 'Ndrangheta entstand im 19. Jahrhundert aus Briganten und Rebellen. "'Ndrangheta" soll sich vom griechischen "andragathos" (tapferer Mann) ableiten. Mächtig wurde die Mafia ausgerechnet durch die Hilfe des Staates für den Süden Italiens. Sie mästete sich am Eisen- und Autobahnbau sowie an gigantischen Industrieprojekten. Heute liegt der Jahresumsatz der 'Ndrangheta nach offiziellen Schätzungn bei 35 Milliarden Euro.

Das Bild von der Mafia als stoppelbärtigen Verbrechern mit Kanonen im Hosenbund ist längst passé. Mafiosi sind Geschäftsleute, Geschäftsleute, die über Leichen gehen. Sie sind lokal verwurzelt und mögen sich in Platí oder San Luca verstecken, aber operieren tun sie weltweit – auch legal soweit es geht, in Geschäftsbereichen wie Zement, Bau, Textilien, Müllabfuhr, Gastronomie, Hotellerie etc. Nur wer oder was sich ihrem Profitstreben entgegenstellt, wird umgangen oder niedergemäht. Und niedermähen tun nicht die Bosse, auch wenn sich deren Teppich-Etagen im Untergrund befinden. Die Mafia ist hierarchisch organisiert: Da gibt es die Bosse, deren Manager, die militärischen Abteilungen und erst dann die Operativen auf den Strassen und jeweiligen Geschäften.
Die 'Ndrangheta umfasst etwa hundert Clans mit insgesamt 7'000 Mitgliedern.

Letzter Abend in Kalabrien. Kalamitäten mit Irene. Wegen was ist mir nicht mehr erinnerlich. Ich nehme das Abendessen alleine auf dem Balkon unseres Zimmers ein.

Freitag

We got in our vehicle early in the morning and played this damned thing once again loud and drove to the airport: Ry Cooders "I, Flathead", welches Album uns auf der ganzen Reise begleitet hat.
Irene schreibt auf dem Flughäfelchen von Lamezia Postkarten und ich esse noch ihren Teil des gestrigen Abendessens auf.
Am Mittag kommen wir in Zürich an.
Endlich kann ich in Erfahrung bringen, dass die Schweiz Lettland und sensationellerweise auch gleich noch Griechenland geschlagen hat.
Ich bin glücklich.  

 

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